Drake, Kartoffeln und Papa Hemingway

Das Gute im Menschen, Ladies and Gentlemen, ist vorhanden (auch wenn Sie danach vergeblich in Politik, Medien, Öl- und anderen Konzernen oder beim Finanzamt suchen). Suchen Sie auf Zelluloid – da passt alles. Deshalb habe ich gestern Abend zur Ermunterung meine alten Francis Drake Serials herausgekramt. Ein sicheres Rezept für beste Laune, denn Hauptdarsteller Terence Morgan als Sir Francis – El Drako – Drake, „good old England“ and „good Queen Bess“ parieren die fiesen Spanier von König Philipp II stets mit Edelmut, Witz, Charme und Kanonendonner. Die britische Schwarz-Weiß-Fernsehserie von 1961/62 hab ich komplett auf DVD: 3 Scheiben voller Abenteuer, die sämtlich nicht länger als jeweils eine halbe Stunde dauern, aber immer eine komplette kleine Story erzählen. Das Ganze hat natürlich ein bisschen Theatersteifigkeit, dennoch: die Rollen sind alle bestens besetzt und es geht immer gut aus. Dazu noch eine Klasse-Filmmusik von Ivor Slaney, uplifting auch für den miesesten Miesepeter. So und jetzt im Quantensprung: in einer Folge geht‘ s auch um Kartoffeln, die aus einer kleinen Kolonie in Virginia stammen, welche natürlich gegen Philipp und wilde Indianer verteidigt gehört. Sir Francis kriegt Elisabeth I herum, ihm einen zweiten Trip nach Amiland zu finanzieren, in dem er eine Kartoffeln herzeigt und sagt, dass alles Gold, was die Spanier aus ihren Kolonien pressen, nichts gegen die Versorgung des Volkes mit Nahrung ist. Jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit historischer Korrektheit und Sir Walter Raleigh etc. – die Szene ist top.

Kartoffeln sind lecker!

Deshalb und wegen der Kartoffel empfehle ich heute Kartoffelsalat à la Hemingway, da der Mann nicht nur gesoffen sondern auch gerne gegessen hat und wußte, was schmeckt. Sie lesen dazu „Paris, ein Fest fürs Leben„, so ziemlich das einzige heitere Buch von Papa H., und nun an die Töpfe: Für zwei Personen nehmen Sie gut 1,5 Pfund festkochende Kartoffeln, 1 weiße Zwiebel, 2 Eier, 3 Eßlöffel Zitronensaft, 8 Löffel Olivenöl extra virgine (ein kräftiges empfiehlt sich), Salz und grob gemahlenen schwarzen Pfeffer. Kochen Sie die Kartoffeln gar, aber bißfest (nicht al dente, das sind keine Nudeln! Nur eben auch nicht auseinander fallen lassen!!!). Eier hart kochen, abschrecken und abkühlen lassen. Rühren Sie den Zitronensaft mit dem Öl kremig, das dauert! Also ordentlich anstrengen und nicht schlapp machen. Zwischendrin schmecken Sie bitte ab: falls zu sauer: Öl rein. Wenn Sie mit dem Geschmack zufrieden sind, salzen Sie die Sauce ordentlich. Die Kartoffeln sollten derweil langsam gar sein: abgießen, ein bisschen abkühlen lassen, pellen, der Länge nach achteln (dicke Scheiben gehen auch) und noch warm mit der fein gehackten Zwiebel und der Ölsauce mischen, evt. nachsalzen, dann Pfeffer drüber mahlen und die gepellten und grob gehackten Eier über den Kartoffeln verteilen. Ein Shipshape-Sommersalat, der als „Pommes à l’huile à la Lipp“ auf der Karte der berühmten Pariser Brasserie stand (und vielleicht noch steht?), als Ernest Hemingway dort zu lunchen pflegte. War damals nicht ganz so teuer und konnte mit lecker Weinchen oder in diesem Fall mit einem Bier begossen werden. Für einen Daiquiri ist es nämlich noch ein bisschen früh! Keep in Mind: Paris ist ein Fest fürs Leben, Francis Drake ein Pirat, den wir lieben und: Kartoffeln niemals unterschätzen! Wir haben diesen Salat begeistert ins Repertoire aufgenommen und schon oft genossen, die Credits gehen an Piet Kistemaker, der das Rezept für sein Buch „Wilde gastronomische Abenteuer“ ausgegraben hat. Chapeau! Und nicht verpassen: Upcoming Blog-Story Argentinien (auch nix anders als Spanien – alles machbar, denken Sie an Sir Francis, lieber Herr Löw!)

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