Koch- & Food-Blog, abschweifendes

sacre e profane


Restaurant ‚Der Schlachter‘

Ich wollte Fleisch und ging zum ‚Der Schlachter‘. Klingt brutal, ist aber so. Dieses Restaurant wirbt mit einer „Gartenterrasse“, und wenn Sie diese erreichen, dann fragen Sie sich wirklich, ob die Betreiber einen Piepmatz haben, denn vom Arrangement her wirkt es wie die Gartenterrasse irgendeines Nachbarn, der ein paar Stühle mehr rausgestellt hat, weil jemand zum WM-Grillen vorbeikommt. Egal, ich bin ja nicht fürs Ambiente hier, sondern für die Schlachtplatte.

Beim Anblick der Speisekarte überkommt einem dann das kalte Grauen.  Die Rumpsteak-Karte zum Beispiel bietet „Rumpsteak-Pfeffer“, „Rumpsteak-Hollandaise“, „Rumpsteak-Champignon“, „Rumpsteak-Zwiebel“, „Rumpsteak-Tomate“. Die Schnitzel-Karte bietet  „Schnitzel-Pfeffer“, „Schnitzel-Hollandaise“, „Schnitzel-Champignon“, „Schnitzel-Zwiebel“, „Schnitzel-Tomate“ … und die Schweinefilet-Karte bietet … Sie ahnen es sicher bereits. Dazu „mit Beilage nach Wahl“, was in diesem Falle Bratkartoffeln, Salzkartoffeln, Pommes, Kroketten, Reis, Nudeln sein können. Ich sage: um jeweils gut zu sein, ist da viel zu viel auf der Karte, mein lieber Wirt! Andererseits ist das Publikum sicherlich anderer Meinung… und die Kinder wollen ja immer Kroketten oder Pommes, na schön.

Schwein wird ja eher unterschätzt. Ich hingegen mag es. Zum einen ist da beim Essen die Gewissheit, dass kein fundamentalistischer Islamist am Tisch sitzt, zum anderen gibts gutes Schwein viel zu selten. Warum nur hat es einen schlechten Ruf in der gehobenen Küche? (Und selbstverständlich kenne ich nur diese…)
Sag mir das mal einer, zum Beispiel als Kommentar.

Egal: Todesmutig (und hungrig) entschied ich mich für „Schweinfilet-Kräuterbutter„, das macht die arme Sau am wenigsten kaputt. Dazu Bratkartoffeln, denn die werden anders als Pommes und Kroketten vermutlich noch selber gemacht. Und weil die Portion ja eventuell zu klein zu könnte, orderte ich sicherheitshalber noch eine kostenpflichtige Extrabeilage, nämlich Broccoli (steh ich drauf). Und so sah es aus, mit dem Handy geknipst und daher etwas unscharf:

Schweinefilt-Kräuterbutter (mit BraKa); die obskuren BasilikumBlätter am Rand sind bloß virtuelle, nämlich Porzellanbemalung

Wie Sie sehen, sehen Sie viel: Diese Portion müssen Sie sich erst mal reinrammen, da ist Hunger wirklich eine Grundvoraussetzung. Der Appetit kommt aber spätestens beim ersten Bissen, denn es war spit-ze. Würde ich mich einseitig ernähren wollen, dann ab heute nur noch „Der Schlachter“ und stets nur Schweinefilet. Wow!
Die Bratkartoffeln waren auch sehr gut, allerdings reichen sie nicht ganz an die des „Am Wattenmeer“ heran.
Der arme Broccoli war mit Hollandaise bekleckert, zu wenig, um gute Absicht zu sein, zu viel, um als Versehen durchzugehen. Aber man hätte ihn ohnehin nicht gebraucht…

Fazit: Zum „Schlachter“ kann man gehen, wenn man norddeutsche reichliche Landküche schätzt und ein Haushaltsdefizit vermeiden will. Das Arrangement kostete glaub ich einen Zwanni, mit „Wattenläufer“ als Jetzt-brauch-ich-aber-nen-Schnaps-Abschluss…

Ah, ne Website hamse auch: www.zum-schlachter.de – Slogan: „Wir machen alle satt“ – ja, das kann ich bestätigen. Oh Gott, die Website ist ja wirklich grauenhaft, lassen Sie sich davon nicht abschrecken!



Kommentieren