Koch- & Food-Blog, abschweifendes

sacre e profane


Die Drei Musketiere

Wie ich von einer guten Bekannten, die als Statistin angefragt war, hörte und Sie hier bei der Welt nachlesen dürfen, dreht man die Drei Musketiere neu und hat zu diesem Behufe Orlando Bloom engagiert, der den D’Artagnan geben wird. Das Ganze kommt in 3D daher und soll uns im Frühjahr von den Kinositzen rocken.

Nun mag man sich fragen, warum a.) die Musketiere nochmal ein Remake brauchen und warum b.) ausgerechnet Orlando B. den feschen Gascogner mimt. Von unseren Hollywood-Größen fällt mir augenblicklich nur Russell Crowe für einen Musketiercharakter ein, der könnte einen einigermaßen annehmbaren Porthos hinlegen, wenn er wöllte. D’Artagnan dagegen, dem in vier wunderbaren Filmen (1948 mit Gene Kelly und 1973/74/89 mit Michael York) ein Denkmal gesetzt wurde, das schwerlich zu übertreffen ist, dieser D’Artagnan wird jetzt also in 3D-Gemetzeln verwurstet. Orlando-Fans bitte nicht weinen, aber der Bub ist maximal hübsch anzusehen. Artistik und Humor gehen ihm doch ein bisschen ab, wie man in den Piraten der Karibik gemerkt haben dürfte. Nun wollen sie also aus Legolas eine Art Errol Flynn basteln und vergreifen sich dazu an den Musketieren, da der Stoff wahrscheinlich auch das heutige Kracherkino trägt. Warum dreht denn keiner von den Feiglingen mal wieder einen großen SciFi-Streifen?

Alexandre Dumas jedoch will ich Ihnen unbedingt ans Herz legen. Lesen Sie doch einfach mal wieder seine Drei Musketiere. Oder nehmen Sie sich „Das große Wörterbuch der Kochkunst“ vor. Das hat er nämlich auch verfasst und es liegt in einer wunderwunderschönen Ausgabe aus dem Mandelbaum Verlag vor. Wenn Sie es noch zu fassen kriegen, bei Amazon ist es nämlich nicht verfügbar (hab gerade nachgeschaut).

Das Ding ist gewaltig, den Monsieur Dumas hat hier alle! Lebensmittel und ihre Zubereitungsarten zusammengetragen, die zu seiner Zeit (Frankreich, der absolute Mittelpunkt der Kochkunst) bekannt waren. 1.300 Rezepte. Zu allem, was kreucht, fleucht, schwimmt, wächst und wie man es zubereitet. Sie erfahren, was läutern bedeutet, wie Sie Schweinsohren mit Püree bereiten oder Stockfisch-Branade – und zwar artig redigiert für heutige Masseinheiten und Kochgewohnheiten, also durchaus brauchbar für das eine oder andere Ausprobieren, auch wenn Sie (leider) keine offene Feuerstelle mit Riesengrillspieß in Ihrer Küche haben werden.

Kurzum, das Buch macht Freude. Und zudem beruhigt es die Nerven. Bei Ebbe auf dem Konto, wenn Ihr(e) Liebhaber(in) Sie sitzen gelassen hat, und wenn Orlando Bloom den D’Artagnan macht. Wäre es nicht so umfangreich, hätten Sie hier die ideale Bettlektüre, denn was ist angenehmer, als über Löffel-Biscuit mit 12 Eiern zu sinnieren. Alexandre Dumas demonstriert auch in seinem Kochlexikon seine wundervolle Art zu Fabulieren und die Übersetzer haben einen grandiosen Job hingelegt, um ihm gerecht zu werden.

Wenn es denn D’Artagnan sein muss, gucken Sie die Richard Lester Trilogie von 73, 74 und 89. Nach meiner unbescheidenen Ansicht die wohl die besten Musketierfilme aller Zeiten.

Gucken, sag ich!



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