Curnonsky

Der Beste aller Gatten hat mir zum Hochzeitstag ein Buch über Maurice Edmond Saillant geschenkt, der unter etlichen Pseudonymen als schriftstellerischer Hans Dampf in allen Gassen im Frankreich der Belle Epoque unterwegs war. Das Buch wollte ich seit längerem unbedingt lesen, da der Mann sozusagen im Alleingang die französische Küche aller Provinzen als erster Gastrokritiker beackert und beschrieben hat und dessen Passion fürs gute Essen maßgeblich in die Entwicklung des Guide Michelin einfloss. Kurzum: eine ganz große Nummer, nicht nur im Mutterland aller Genießer.

Und dann – welch eine Enttäuschung, was die Autorin Inge Koch über diesen spannenden Mann da zu Papier bringt (eine Dame, die seine Manuskripte entdeckte und aus diesen eine „jahrelange akribische Archivarbeit“ startete, die zu bereits drei Werken über Curnonsky führte und damit sicherlich zu einem geregelten Einkommen, wie ich vermute.) Der Band ist schickes Hardcover, bildreich gefüttert mit Motiven aus der Zeit – Plakate, Fotos, etc. – am Layout gibt’s nix zu nörgeln. Aber der Text! Grauenhaft langatmig, langweilig, fad. Aufreihungen in Tonnen. Jeder annähernd berühmte Zeitgenosse (Maler, Schriftsteller, Kurtisanen …) wird aufgeführt, als gälte es Curnonskys Ruhm dringend über seinen bevorzugten Umgang zu mehren. Nun hat der Gourmet im Paris seiner Zeit sicherlich gesoffen, gefressen und gehurt, was das Zeug hält und dass auch mit etlichen Prominenten, nicht alle davon schon damals berühmt, aber lustig. Ich habe auf Seite 75 aufgegeben – gerade als der Protagonist für seine flotten Freunde ein „Omelette aux fleurs d’or“ – als ein Goldblumen-Omelette kreiert, mit dem die Mädels „in Trance“ versetzt werden. Das haben die damals mit Sicherheit so oder ähnlich formuliert, aber die Autorin kriegt das nicht stimmig auf die Reihe.

Es könnte an der Übersetzung liegen. Da sparen sie heut gern den einen oder anderen Euro ein. Ich persönlich habe das Gefühl, die Dame kann nicht schreiben. Die Worte sind alle da, allerdings nirgendwo richtig zusammengefügt, klappern sie lose aneinander wie die Wahrsage-Knöchelchen vom Voodoo-Priester. Ein Tröten und Aufbauschen ohne jede Poesie. Schade! Dabei spricht mir der Mann aus dem Herzen: „Gute Küche heißt, dass die Dinge so schmecken, wie sie sind.“

Die Belle Epoque fühlen Sie am besten mit einem guten alten Hollywood-Schinken. Ich empfehle „Gigi“ oder „Die lustige Witwe“ von Lubitsch und hoffe, dass sich irgendwann ein Profi dem lieben Curnonsky annimmt.

Trailer Lustige Witwe – die Musi stimmt!

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