Einmal Hölle und zurück

Strandhölle Adria

Der Beste aller Gatten und ich sind gottseidank zurück von unserem Kurzurlaubs-Flop, eine saftige Erkältung im Gepäck und eine saftige Kreditkartenabrechnung in Aussicht. Der kurz vor knapp gebuchte Strandort an der Adria erwies sich als ein naher Verwandter von Dantes Inferno, den wir nach drei Tagen Richtung Gardasee verlassen mussten, da ich sonst eingegangen wäre. Das liebe Hotel in Riva schmückte sich mit einer Großbaustelle direkt hinterm Hause – ein Umstand, den man uns bei der hektischen Telefonbuchung wohlweislich verschwiegen hatte. Dass „der Italiener nicht ganz so fleissig ist“, können wir so nicht bestätigen: Die besagte Baustelle war jedenfalls auch am Samstag voll in Betrieb. Ansonsten breiten wir den Mantel des Schweigens über die vergangene Woche. Italien kann uns mal! Jedenfalls vorläufig.

Essen und Trinken: Am Meer zum Teil ka-ta-stro-phal, zum Teil einfach, aber ganz ordentlich. Wein schlimm. Preise billig. Am Gardasee zocken sie hier und da besonders dreist ab. Imponiert hat uns ein angegeblicher Venezianer, bei dem wir zufällig landeten. Er schlug uns (die wir nicht sehr hungrig waren) vor, uns Vorspeise und Hauptgericht zu teilen, was wir gerne annahmen, zumal er uns eine schöne Orata präsentierte. Der Fisch, den wir brav geteilt hatten, fand sich auf der Rechnung dann allerdings als 2 Portionen vermerkt. Wir merken uns den Mann, und ja, er ist Venezianer, da sind wir sicher!

Und zuhause wandert die Demokratie in den Fleischwolf, weil keiner mehr unangenehme Wahrheiten aussprechen darf, will, kann. Das Land ist in keinem guten Zustand und das liegt nicht an den Thesen des Thilo Sarrazin. Machen Sie doch mal wieder die Augen auf! Heute morgen gehe ich Semmeln kaufen und als ich wiederkomme, flacken („sitzen“ wäre unzutreffend) zwei junge, etwas festere Damen samt Handgepäck (Täschlein, Plastiktüten, etc.) blockierend auf den Stufen vor der Haustür, müde qualmend wie die Bordsteinschwalben nach dem letzten Freier, ihre Zigaretten vor sich auf dem Boden ausdrückend. (Ich rauche selbst, bin jedoch äußerst allergisch gegen das moderne „Müll auf die Straße“ werfen.)

Vor den beiden drückt sich ein ca. 20jähriger pickelgesichtiger Anzugträger herum, der die beiden Schätzchen, beide gekleidet im Berliner Trash-Schick (sieht wie Müll aus, ist aber teuer, sagt mein Mann), anzüglich anschaut. Was denken Sie, was das fesche Trio wollte? Es handelte sich um eine Wohnungsbesichtigung, Makler und Kundschaft warteten auf unseren Hausverwalter. Sie brauchen aber nicht glauben, dass das Jungvolk von selber Platz gemacht hätte, die wollten von mir gebeten werden. Ich will jetzt nicht davon anfangen, dass unsereiner bei dem Unterfangen, eine Wohnung! in München! zu erlangen, eventuell insgesamt etwas höflicher und vorzeigbarer aufgetreten wäre, aber im Grunde will ich’s doch. Denn das Laissez faire ist überall und es tut nirgends gut. Vor allen Dingen, weil andere nicht nach unseren Regeln spielen, da, wie ich gerade las, TS jetzt Polizeischutz braucht. In einer vollkommen verkindlichten Gesellschaft, die mit der Chuzpe von energischen Dreijährigen auftritt und den kategorischen Imperativ nicht mehr kennt, geschweige denn achtet, hat nicht Autorität sondern Tolerenz furchtbare Folgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.