Miravalle – A good Place comes Undone

Nachsatz zum Gardaseeaufenthalt. Das Hotel Miravalle in Riva del Garda kennen der Gatte und ich schon seit fast 10 Jahren, allerdings hatten wir den liebenswerten Familienbetrieb seit sechs Jahre nicht mehr besucht. Wie sehr sich die Dinge doch verändern, durften wir vergangene Woche feststellen. Früher hätte man uns die Baustelle nicht verschwiegen, heute, so vermute ich, ist die Kasse knapp. Denn das Miravalle hat kräftig expandiert. Neben einem neuen Flügel, schön und modern eingerichtet, hat man ein ambitioniertes Restaurant, Whirlpools auf einigen Terrassen, einen umstrukturierten Garten, in dem mehr Leute Platz finden, höhere Preise und einen Juniorchef, der mit ran muss.

Miravalle mit Whirlpool

Was man nicht mehr hat: Herzlichen Service, Kaffee und Milchschaum in Kännchen frisch an den Frühstückstisch gebracht (sie haben jetzt eine grausige Kaffeemaschine und konnten auch auf Extrabestellung hin nur eine mediokre Latte M. servieren), jemanden, der den Whirlpool reinigt (jedenfalls unseren, der war schmuddelig), professionelle Küche und Bedienung im Restaurant und den ganzen Charme, der diesen Ort früher auszeichnete.

Wir bestellten von der kleinen Lunch-Karte des hoteleigenen Restaurants Villetta Annessa „Hamburger vom Rinderfilet“, der mit wenigen Tomaten und dem einen oder anderen Salatblättchen angereichert im üblichen Brötchen serviert wurde, sowie „Büffelmozzarella mit Tomaten sowie Basilikum und Oregano“. Die Kräuter fehlten, auf Nachfrage sagte der nassforsche Service-Mann, dass der Küchenchef keine Kräuter mehr da hätte. In Italien. Am Gardasee. Pfeffer und Salz für den Burger wurden nur auf Nachfrage gereicht, obwohl große Mühlen auf der Anrichte standen. Öl gab’s ebenfalls nicht. Beim Mozzarella fehlte es an Tomaten, da dieser aufgrund völlig falsch verstandener Darreichungskunst in der Mitte durchgeschnitten und mit einer einzigen Tomate „gefüllt“ daher kam. Sie erkennen, wie wir, die Ambition, welche die wiederum kräftigen Preise rechtfertigen sollte, aber nicht konnte. Das Miravalle hatte ein gutes Restaurant. Ob es noch immer so gut ist, mochten wir nach diesem Lunch nicht beim Dinner ausprobieren. Der Garten ist allerdings immer noch schön, wenn auch der Baustellenlärm tagsüber eine Unterhaltung dort kaum möglich machte.

Unangenehm auffallend: Der stets leicht schmollend bis missmutig dreinblickende Juniorchef (uns noch als halbwüchsiger, netter Bub in Erinnerung) bekam – ganz und gar untypisch für Italiener – die Zähne zu keinem Lächeln auseinander und hing in der Lobby gern hinter seinem brandneuen iPhone ab, wo er sich vor spontanen Bestellungen an der Bar verstecken konnte. So hatten wir das Miravalle-Team nicht in Erinnerung. Früher waren man hier ausgesprochen reizend. Kann aber sein, dass auch die Miravalle-Famiglia unter einem Sprößling der Generation „Kann nichts, will nichts, tut nichts“ leiden muss.

Ich gehe mal stark davon aus, dass sie viel Geld brauchen. Der ganze Platz atmet nichts anderes mehr, war aber trotzdem gut gebucht. Trotz Baustelle. Vielleicht, weil hier nur Durchreisende Station machen? Sie haben jedenfalls ein Top-WiFi, das will ich hier ausdrücklich loben. Der Gatte und ich haben das Haus trotzdem von der Urlaubsliste gestrichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.