Koch- & Food-Blog, abschweifendes

sacre e profane


Oktoberfestausklang

Das letzte Wiesn-Wochenende bricht an und wir sind doch gottfroh, dass der Zirkus am Montagabend vorbei ist. Unser Viertel ist belagert. Von Menschen in den seltsamsten Trachten, oder was sie dafür halten, nervig besonders des Nachts, wenn sie kreischten über die Straße springen, in der Hoffnung, ein Taxi nähme sie mit, wobei die meisten jeden Wagen anhalten wollen, der vorbeifährt. Wir haben uns die Wiesn am letzten Sonntag zwecks des Konzerts an der Bavaria angeschaut, sind aber nicht hängengeblieben, weil einfach too much, too many people, und alles too commercial.

Ganz lange Tröten beim Wiesn-Konzert

Shop til you drop: Den Besuchern sitzt das Bargeld locker und der Handel aus Nah und Fern reibt sich die Hände. Gewiefte Tandler fangen die Gäste schon am Hauptbahnhof ein und locken sie in halbverhängte Verschläge, wo sie für 19,99 ein Dirndl aus Kunststoff – made in Taiwan/China/Pakistan/Indien – verpasst bekommen, die Männer eine Lederhosn aus der Türkei, die wissen da nämlich auch schon, wie sie mit unsrer Wiesn ein paar Taler machen können. Da nähen wahrscheinlich ganze Familienclans an exotischem Trachtengwand und wundern sich. Das ist die wahre Globalisierung! Andrerseits ist es auch irgenwie putzig, wenn alle auf einmal in trauter Tradition beschürzt und beschleift, behütet und Waden-be-wollsockt den Jodler üben. „Oans, zwoa, gsuffa“, „Ein Prosit..“ und den „toten Fisch im Wasser“ kennen Wiesn-Aficionados schließlich besser als die eigene Nationalhymne. Wir auch. Macht mehr Spaß.

Tu felix Bavaria

Jede Boaz macht After Wiesn Party, weil die Wiesn macht ja schon relativ früh Feierabend und der trunken aufgewühlte Mob taumelt raus aus dem Zelt hinein ins Abfeiern bis zum Morgengrauen. Dieser gestaltet sich für viele dann wahrlich grauenhaft, für manche aber auch recht heiter. So trifft man schnucklig lederbehoste Jünglinge beim Bäcker, die mühsam ihre Bestellung lallen, oder Damen jeden Alters mit leicht zerknittertem Gwand, die sich an den Hauswänden abstützend die Straße heimwärts tasten. Um 11 Uhr morgens. Da sind die nächsten bereits wieder (oder schon wieder, oder immer noch) unterwegs mit und zu den Maßkrügen. So geht das Tag für Tag und Nacht für Nacht. Ich bin immer wieder platt, was die Leute so verkraften können.

Echte Trachten, unechte Trachten, Hauptsache Trachten

Auch in unserem Hause leben Wiesn-Fans. Diese erkennen wir am nächtlichen „Rums„, mit dem sie mit samt ihres laut krakeelendem Besuchs aus aller Welt ins Haus fallen, und an den Dirndln und Lederhosen, die sie am Balkon zum Auslüften aushängen. Ich nenne keine Namen, aber eine Lederhose hing dort nach der letzten Wiesn geschlagene 6 Monate am Stück im Freien! Die selbige Hose wurde in diesem Jahr noch nicht gesichtet;-) Die da wohnen sind grundsolide Leute, die das ganze Jahr hindurch absolut unauffällig ihrem Tagwerk nachgehen. Aber wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne, und wer im Bierzelt sitzt, der kann, weil da kaum ein Rauskommen möglich ist, auch mal „unter sich“ lassen. Früher (sagt der Onkel) war das Usus, da haben die Bubn alle untern Tisch gepullert, weil, wieso soll man mühsam aufstehen und rausschwanken, wenn es auch einfach vor Ort geht, da kann einem keiner den Platz oder gar den Masskrug abspenstig machen. Der liebe Nachbar aus den Abruzzen ist natürlich auch angereist und hat schon dreimal die Bierzelte unsicher gemacht. Einen Bänderriß hat er gleich vom ersten Wiesnbesuch mitgebracht – aber sowas hält uns Einheimische nicht ab. Die von außerhalb übrigend auch nicht. Die holen alles raus, ganz vorn dabei die Italiener. Gestern brummte einer aus dem Trentino mit seinem Camper vorbei, die Hintertür offen, das Gepäck halb auf der Straße und zwei kreischende Mädels am Straßenrand, für die er dann doch noch mal angehalten hat, weil die schließlich auch mit nach Hause wollten. Da brauchen Sie doch kein Fernsehen mehr!



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