Istanbul: Fleisch und mehr im Meat-House

Kruder Name, karge Ausstattung, magere Neonbeleuchtung – der sichere Instinkt des überarbeiteten Besten aller Gatten führte uns am ersten Abend in das kleine – nicht unbedingt gemütliche – Lokal Meat-House in Sulthanamet, von dem ich mir nicht viel erwartete, da es meinen märchenhaften Vorstellungen von orientalischer Pracht und überbordender Gastfreundschaft so gar nicht entsprach. Aber – und wie so oft im Leben – täuschte der ersterEindruck komplett und das „Haus des Fleisches“ charmierte uns mit bestem Essen zu moderaten Preisen. Beides, wie die nächsten Tage zeigen sollten, in Kombination nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man als eher leicht paranoider Fremdling eine Riesenstadt mit vollkommen unbekannten Sitten und Gebräuchen besucht.

Mystische Moscheen - hier die Blaue Schöne im Abendlicht

Der Gatte und (vor allem) ich sind keine großartigen Globetrotter. Man war in erster Linie im Italienischen, berufsbedingt oder privat auch mal in den USA, Belgien, U.K., Spanien oder Frankreich. Doch ab und zu lockt uns das Unbekannte, weil nur dort, wo man fremd und ausländisch ist, das Gehirn ordentlich durchgepustet wird. Deshalb also Istanbul. Nah genug für einen Kurztrip, fremd genug, um den grauen Zellen Zunder zu geben. Ich sage nur: der Muezzin! 4 Mal pro Tag und am Freitag 5 Mal ruft es  (heute wohl nur noch vom Band) von allen Moscheen zum Gebet: „Allahu akbar“ klingt fremder als fremd und doch vertraut, fast ein wenig wie unsere Glocken. Auf alle Fälle klingt der Ruf des Muezzin schön in Istanbul, da sie keineswegs alle gleichzeitig rufen, sondern kurz nacheinander, je nach Entfernung mal leiser, mal lauter, ein Kanon, der über der ganzen Stadt schwebt und auch „Ungläubige“ wie uns andächtig stimmte.

Die leiblichen Freuden im Meat-House waren jedoch die erste vertrauensbildende Maßnahme, mit der uns das große, alte Istanbul an die breite Brust nahm. Deshalb hier mal rasch ein paar Impressionen unseres ersten Dinners. Ein laues Lüftchen erlaubte das Speisen im Freien, nach Abflug bei beinahe winterlichen Temperaturen ein geradezu sommerliches Gefühl. Gegessen haben wir Adana Kebap (der Gatte), Sigara Börök und eine Meze-Platte (für mich, da ich an fremden Orten anfangs lieber vegetarisch esse, weil ich mit dem Fleisch „an sich“ sehr heikel bin). Zum Nachtisch naschte der liebe Ehemann noch ein Baklava. Beindruckt hat uns die Puf Pida (ist eine Art Show-Peace in Istanbuler Restaurants) – ein mit Sesam bestreutes, „aufgeblasenes“, warmes, ungemein leckeres Brot. Getrunken haben wir Wasser bzw. ein Glaserl Weißwein. Viele Lokale dürfen keinen Alkohol ausschenken, im Meat-House gibt es aber auch Hochprozentiges, deshalb hauten wir uns hinterher noch einen Raki rein! Sie brachten uns zwei Wassergläser voll, weswegen wir um 20 Uhr zu Bett gingen.

Puf Pida: ein beeindruckendes Gedicht von einem Brot
Adana Kebap im Meat-House

Der Gatte war dermaßen übermüded, dass er fast mit dem Gesicht in sein wundervolles Adana Kebap sank, das von säuerlich eingelegtem Rotkohl und fein gewürztem Bulgur begleitet wurde. Aber bei der Auswahl des Lokals hat er sich mal wieder übertroffen!

Reichlich Meze im Meat-House

Die Vorspeisen – Meze – habe ich sämtlich aufgegessen, trotz gigantischer Portion. Ob sanfte Bohnen in würzigem Öl oder deftige Auberginen: Jede einzelne war individuell zubereitet und schlichtweg perfekt.

Gesunde "Zigarren": Sigara Börök im Meat-House

Die Portion Sigara Börök, feine Teigröllchen gefüllt mit Schafskäse, hätten wir zum satt werden nicht mehr gebraucht, wollten wir aber unbedingt kosten. Im Hintergrund keine Milch, sondern Riesen-Raki mit Wasser gemischt. Hossa!

Turkish Delight: Baklava für den süßen Zahn

Ja, Baklava ist süß! Aber auch pistazig, marzipanig, fruchtig, feucht, schmelzend und, und, und…

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