Arme Freunde: Restaurant Frank’s Amici in München

Als „Frank’s Amici“ als Nachfolger des Bracha im Viertel anfing, versuchte man sich darin in gehobener Küche zu gesalzenen Preisen. Zu einer gehobenen Küche gehört aber eine gewisse Glaubwürdigkeit, und da hinter dem Lokal gerüchteweise derselbe Besitzer (Frank Bergmeyer) steht wie hinter der Currywurst-Absteige „Bergwolf“, haben wir es gemieden. Offenbar waren wir nicht die einzigen, denn das Lokal war meistens leer. Nun hat Frank’s Amici sichtlich die Zielgruppendefinition geändert und sich – wahrscheinlich nicht freiwillig – neu positioniert, dabei vor allem die Preise gesenkt und und auf Pasta/Pizza umgestellt. Man bietet jetzt also scheinbar „einfache, italienisch angehauchte Küche“ – ein Grund für uns, das auszuprobieren. Denn wir wollen keinen billigen Italiener, wir wollen einen guten und einfachen.

Das Ambiente in Frank’s Amici ist gar nicht sooo schlecht, nur leider zeitgemäß unterkühlt, obwohl man sich mit der einen oder anderen (leicht verblühten) Blume auf den Tischen diesem Umstand bewusst zu sein scheint und etwas Wärme einzuhauchen versucht. Dem zu vermutenden Stilvorbild „Little Italy in New York“ (= Frank’s Amici) hätten karierte Tischdecken und frische Rosmarintöpfe etc. gut getan. Die ideenarme Einrichtung wäre verzeihlich, wenn aus den Lautsprechern nicht geschmackloseste 08/15-Radiomusik gedudelt wäre – es wird mir ewig unbegreiflich bleiben, wie man sich  Restaurant-Konzepte ausdenken kann, ohne die Musik zu berücksichtigen.

Die Karte gibt sich derzeit vielseitig, ohne unbedingt „alles“ bieten zu wollen. Uns persönlich ist ein geringeres Angebot stets lieber, denn eine zu große Karte nährt immer den Verdacht, das vieles aus Convenience/Mikrowelle kommt. Erst recht, wenn wie bei Frank’s Amici überall Prospekte für „Speisen zum Mitnehmen“ ausliegen, die einem das Gefühl geben, man speise gerade im Vorraum eines Lieferservice. Kurz: Wir hatten das starke Gefühl, dass man seinen Ton noch nicht gefunden hat.

Eine Stärke der normalen Karte ist Pizza (inklusive „Pizza Hawaii“!), die wir allerdings diesmal nicht ausprobiert haben. Denn um einen neuen Italiener zu testen, bestellen wir stets das Basisprogramm mit einfachsten Standards. Wir finden nämlich: Wer schon diese Standards (anbietet, aber) nicht beherrscht, dem trauen wir auch alles andere nicht zu.

Vorspeise 1: Tomatensalat. An dem kann man theoretisch nicht viel falsch machen, kann man aber doch, etwa bei den Zutaten.

Frank's Amici - Tomatensalat

Hier stimmte bei Frank’s fast alles: Gute Tomaten, die Zwiebel war fein gehobelt, das Öl von guter Qualität und der Balsamico-Essig einwandfrei. Für 3,90 Euro völlig in Ordnung.

Vorspeise 2: Vitello Tonnato. Obwohl das kein schweres Gericht ist, kann man hier schon eine ganze Menge falsch machen.

Frank's Amici - Vitello Tonnato

Das Amici-Vitello war zart und vom Fleisch her einwandfrei, doch der Rand des Fleisches war wie vom Anbraten verfärbt; das weckte in mir persönlich den Verdacht, dass man sich wohl einen fertigen Kalbsbraten gekauft und in Scheiben geschnitten hat. Darüber könnte ich zur Not noch hinwegsehen – doch die Tonno-Sauce hatte obendrein viel zu viel Mayonnaise bzw. zu wenig Tunfisch, war also geschmacklich schwach auf der Brust. Für 9,80 Euro werde ich da nicht zum Amici.

Hauptspeise 1: Spaghetti Poverina. Sie können gerne mal versuchen, herauszubekommen, was Italiener unter „Spaghetti Poverina“ verstehen – die in Frank’s Amici gebotene Version von „Spaghetti aglio, olio e peperoncino“ haben jedenfalls nichts damit zu tun. Der Beschreibung nach hatten wir aber nichts anderes als Aglio-olio erwartet, insofern halb so schlimm.

Frank's Amici: Spaghetti Poverino

Allerdings waren sie salz- und geschmacksfrei, immerhin scharf. Der Geschmack nach „nichts“ ließ sich mit Salz korrigieren, nicht jedoch, dass die Spaghetti auf dem Weg zu „al dente“ noch ein paar längere Minuten vor sich gehabt hätten. Den Knoblauch fein zu schneiden, zu zerdrücken oder zu entfernen war die Küche zu faul, durchgebraten war er auch nicht. Auch für 5,70 Euro nicht der Hit. Das können sogar Venezianer besser.

Hauptspeise 2: Penne All’Arrabbiata. Wer das nicht kann, sollte seine Küche zumachen. In Frank’s Amici war die Küche immerhin bemüht: Die Sauce war einiger Maßen aromatisch, nachdem man sie mit etwas Olivenöl getunt hatte. Olivenöl gab es reichlich, allerdings abgefüllt in einer Flasche ohne Etikett. Nicht ganz so reichlich gab es Parmesan, der erst bestellt werden musste und dann halbleer war, ebenso wie der georderte zweite.

Frank's Amici: Penne All'Arrabbiata

Das entscheidende Manko der ansonsten brauchbaren Sauce war auch hier der weder durch- noch angebratene Knoblauch in Drittelzehengröße. Essen Sie rohen Knoblauch gleich Zehen-weise? Wir nicht! Für 6 Euro gerade noch okay, auch wenn der krasse geschmackliche Unterschied zur Aglio-olio-Sauce für das Schummeln mit einer fertigen Arrabbiata-Gewürzzubereitung spricht. Ein gescheites Sugo steckte jedenfalls nicht dahinter.

Dazu ein Lugana (mit 6,50 Euro für 0,25l zu teuer) und ein Montepulcano (4,90 Euro für 0,25l) aus den Abruzzen, eher von der einfachen als von der gehobenen Art, aber als solcher absolut in Ordnung. Der Espresso war ohne Fehl und Tadel und ging aufs Haus, möglicherweise, weil ich die harten Spaghetti bemängelt hatte. Der Service war – abgesehen vom Parmesan – zuvorkommend und freundlich.

Das Fazit lautet also: Na ja. Es ist äußerst fraglich, ob da ein Italiener kocht. Leider, leider orientiert sich „Frank’s Amici“ offenbar an der für uns unbetretbaren Billig-Kantine „Paste e basta“ ein paar Meter weiter. Für einen „einfachen Italiener“ ist er weder günstig noch authentisch genug, für einen gehobenen Italiener ist er zu schlecht. Und entweder, man macht ein gutes Vitello und dann kann man auch einen Zehner dafür nehmen – oder man lässt es einfach. Wir werden trotzdem noch zwei Besuche wagen, um die günstigen Mittagsmenüs und die Pizzen zu checken – Sensationen erwarten wir keine. Dem Erfolg tut das sicher keinen Abbruch, der Deutsche isst ja bekanntlich lieber billig als gut.

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