Loire Take 1: ein Schloss geht noch …

Na, mal mitten in der Nacht das Hotel gewechselt? Wir schon. Dazu später.

Aber vorher geht’s erstmal auf Rundreise an die Loire. Und in dieser wunderschönen Region gibt es wirklich viel zu entdecken. Schlösser, Burgen und fantastische Gärten, Höhlenwohnungen (Troglodyten), allerfeinste Weine und natürlich die entzückendsten Restaurants, wie man sie (nur) im herrlichen Frankreich finden kann.

Saumur an der Loire: hier kommt sogar die Pizza sehr französisch daher: Walnüsse, Ziegenkäse, Honig…

Von Nantes aus starteten wir unseren Trip Richtung Saumur, wo das erste Bed & Breakfast auf uns wartete. „La Sterne de la Loire“ ist ein kleines B&B in einem mittelalterlichen Haus, das die Besitzer erst seit knapp zwei Jahren betreiben. Direkt an der Loire gelegen (10 Minuten mit dem Auto nach Saumur), die Straße vor dem Haus ist tagsüber viel befahren, aber des Nachts ruhig. Die Zimmer sind entzückend: wir hatten zwei Bäder, würden aber auf Design-Schnickschnack wie die runden Mini-Waschbecken verzichten – Überschwemmung schon beim Zähneputzen garantiert ;-)

La Sterne de la Loire: Zimmer mit Ausblick auf die Loire

Die Besitzerin betreibt das B2B mit Herz und Liebe, hier und da ein bisschen unkonzentriert – aber immer charmant. Da das Wetter anfangs frisch und nieselig daherkam, waren längere Sitzungen im kleinen Hof (Garten wäre übertrieben) nicht möglich. Dennoch: ein Glaserl Wein – und dabei die Schwalben aus dem Keller ein- und ausfliegen sehen – hatte auch was.

La Sterne de la Loire: Zimmer Impressionen
La Sterne de la Loire: liebevoll restauriert und stilecht
La Sterne des la Loire: die Frühstücksküche – ein echtes Highlight mit Kanonenöfen, der für uns beheizt wurde (ja, erst war es frisch an der schönen Loire…)

Im Sterne de la Loire verbrachten wir vier Nächte und grasten tagsüber die Schlösser ab. Unser Rat: Sie schaffen maximal drei am Tag, aber das ist schon üppig. Besser zwei auswählen und mittags in Ruhe essen gehen. Die Gegend ist wirklich wunderschön – es lohnt sich, über Land zu fahren und die kleinsten Sträßchen durch Felder und Wälder zu erkunden. So viel Grün, so viel Idylle. Wir navigierten mit Google Maps am Handy, funktionierte bestens, kann jeder. Google kann das. Kompliment.

Besichtigt haben wir die königliche Festung Chinon, die Schlösser Villandry, d’Ussé und Azay Le Rideau und die Riesen-Abtei Fontefraud. Trepp auf, Trepp ab… und zwar bei ständig steigenden Temperaturen, denn an der Loire hielt über Nacht der Sommer Einzug. Die über 30 Grad überraschten selbst die Eingeborenen, uns (gefasst auf den üblichen Sturm und Regen unserer Mai-Urlaube) haute die Hitzewelle aus den feuchten Socken. Der beste aller Gatten hatte immerhin zwei kurze Hosen im Gepäck, die Gattin „musste“ vor Ort ein Sommerkleid kaufen.

Chinon – für das „Ritter der Tafelrunde“ Gefühl

Diese mittelalterliche Festung gehört zum UNESCO-Welterbe und bietet ein interaktives Museum, das  Richard Löwenherz, Jeanne D’Arc  & Co. anfassbar nahe bringt. Es macht Spass, in dem Riesengemäuer herumzuspazieren. Die aktuelle Ausstellung „Attack!“ (bis 13. November 2017) zeigt, wie Anno dunnemals gekämpft und verteidigt wurde, wobei die Franzosen keinerlei politisch korrekte Berührungsängste haben und auch die lieben Kleinen zu Ritterspielen im Garten ausrüsten. Die Ritter waren nicht zimperlich, das können Sie hier hautnah erleben.

Gewaltig: die Festung Chinon
Chinon: Blick ins Land – alles friedlich heute
Geschichte: Jeanne D’Arc in Chinon – ausführliche Ausstellung in der Festung

Villandry – Gärten XXXL

Die Gärten! Also wenn Sie einmal ein Gemüsebeet sehen wollen, das eine ganze Stadt versorgen kann, dann sind Sie hier an der richtigen Adresse. Das Renaissance-Schloss Villandry zelebriert die Gartenkunst der Loire – Salate, Kräuter, Kohl fein eingerahmt in Buchsbaum, wie woanders die Blümelein. Villandry ist riesig: mit sechs verschiedenen Gärten vom besagten Gemüsegarten bis zum Wassergarten haben Ihre Füße gut zu tun. Doch auch bei Hitzegraden finden sich hier schattige Plätzchen zum Luft schnappen und selbstverständlich gibt’s ein Gartenlokal zum Durststillen. Trotz Touristenattraktion freundliche und lustige Kellner, wie sie in deutschen Landen  selten sind!

Darf’s ein bisschen größer sein? Villandry ist groß!
Villandry: immer schön ordentlich alles in Buchs
Villandry: Pfanzennachwuchs im Gewächshaus
Viallandry: die Küche – will ich haben

Chateau d’Ussé – märchenhaft

Dornröschen-Träume? Hier werden sie wahr. D’Ussé ist ein Märchenschloss mit Dornröschen-Turm, in dem (wenn Sie denn die 100-tausend Stufen schaffen) ein Raum nach dem anderen mit Motiven aus dem Märchen dekoriert ist. Liebevoll und super-kitschig – Hollywood lässt grüßen. Hingehen und angucken! Ein echtes Vergnügen.

Chateau d’Ussé – wie im Märchen
Dornröschen!

Azay Le Rideau – von Wasser (nicht fotografiert) umgeben

Ein Wasser-Schloss geht immer! Azay gehört zu den bekanntesten Loire-Schlössern – ein weiterer Renaissance-Bau mitsamt gar nicht so kleinem Park, den wir – schon etwas Schloss-ermattet – trotzdem empfehlen. Schauen Sie sich das Schloss auch von innen an – es gibt viel zum Gucken – wie übrigens in allen besichtigten Schlössern.

Azay de Rideau – ein Wasser-Schloss
Azay de Rideau: wie in jedem Schloss Treppen, Treppen, Treppen
Herrschaftliche Inneneinrichtung – fast modern
Azay de Rideau: Blick durchs Fenster auf den Wassergraben

Abbaye de Fontevraud – Frauenpower, aber nicht ganz so heilig

Kalter Schauer gefällig? Fontevraud gilt als eine der großartigsten Abteien im Lande und als größtes Kloster Europas. Und groß ist sie wahrhaftig. Stellen Sie sich ein gigantisches Raumschiff vor, das zufällig auf der Erde gelandet ist. Die Abtei war in ihrer Blütezeit eine kleine Stadt für sich. Und sie wurde von Frauen geführt. Als Topmanagerin erwies sich eine Schwester der königlichen Mätresse Louis des Vierzehnten, Madame de Montespan: Gabrielle de Rochechouart, die Fontevraud im 17. Jahrhundert an die Spitze powerte.  Der Eingang gleicht einem modernen Kongresszentrum – das hätte Gabrielle sicher gefallen. Allerdings ist uns die (in anderen kirchlichen Gebäuden durchaus fühlbare) meditative Atmosphäre hier entgangen. Steine, Steine, Steine. Farblos, leer, ein wenig gespenstisch. Wir lasen auf irgendeiner Tafel beim Hinausgehen, dass Fontevraud von Napoleon in ein Gefängnis umgewandelt wurde, das bis 1963 betrieben wurde und nehmen an, dass das alle guten Geister aufs Gründlichste vertrieben hat. Logisch, dass auch die Nazis hier Resistance-Kämpfer eingesperrt haben. Wir haben der Abtei nur eine Stunde am Abend gewidmet und sind vielleicht ein wenig ungerecht, da es auch Konzerte und andere Veranstaltungen in den „heiligen Hallen“ gibt. Dennoch, wir sind sicher… ein dunkler Schatten lastet auf diesen top-restaurierten Gemäuern… Vielleicht doch ein Raumschiff, das irgendwann wieder abhebt?

Fontefraud: das seltsame Gebäude war mal die Klosterküche
Fontefraud: Architektonisch schöne Abtei mit Gruselfaktor

Hungrig? Durstig?

Ausdehnte Pause im Garten des ‚Etape Gourmande

Wie gut, dass es an der Loire jede Menge Gelegenheiten zu kulinarischen Pausen gibt, zum Beispiel im L’Etape Gourmande, mitten in der „Pampa“ nahe Villandry, wo Sie wunderbar gut zu Mittag essen können, wenn Sie berücksichtigen, dass es in diesem Teil Frankreichs immer von 12 bis 14 Uhr Mittagessen gibt, wobei man Sie auch 5 vor Zwei noch aufnimmt. Das L’Etape haben wir auf Google Maps entdeckt, und es ist ein Geheimtipp.

Feinste Küche
Wirklich!
Und so schön angerichtet :-)

Ein altes Gut mit einem schattigen Garten, in dem wir von der ganzen Familie liebevoll bewirtet wurden. Anschließend schaffen Sie noch ein Schloss. Versprochen!

Die Karte vom L’Etape Gourmand

Unsere nächste Station war das La Marmoire, ebenfalls ein kleines B2B, diesmal in der Nähe von Châteaubriant. Diese Perle kommt im nächsten Post an die Reihe.

Rosengruß von Villandry

 

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Susanne Schumacher sagt:

    Ich mag diese feinen und detaillierten Reisebeschreibungen! Fast ist man selbst dabei, und vor allem die schönen Fotos bringen die Seele schon zum Schwingen! Und man bekommt Appetit auf die Speisen, die hier recht gut in Szene gesetzt sind. Danke für diese besonderen Erfahrungsberichte – macht Lust auf mehr!

  2. Anette Keiser sagt:

    Da freuen wir uns sehr! Vielen lieben Dank :-)

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