Koch- & Food-Blog, abschweifendes

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Rouladen italienisch – Involtini Italiana

Am Freitagabend haben der Beste aller Gatten und ich ein kleines Dinner veranstaltet und nette Menschen bekocht. Als Hauptgang servierten wir unsere italienischen Rouladen - ein altes Hausrezept der Schwiegermutter, das wir über die Jahre variiert und – wie ich behaupten möchte – optimiert haben. Kochen Sie unsere Involtini doch mal nach. Ist ein bisschen aufwändig, aber auch für Anfänger machbar und es lohnt sich! Ein bisschen Zeit müssen Sie sich dafür nehmen, die Vorbreitung dauert so um die zwei Stunden, die Kochzeit beträgt ebenfalls zwei Stunden.

Wir brauchen für vier Personen vier schöne, lange und vor allem breite Rindfleisch-Rouladen, die Sie beim Metzger Ihres Vertrauens erwerben sollten, damit Sie garantiert schön abgehangenes Rouladenfleisch bekommen. Die Schnullerbrigade vom Perfekten Dinner nimmt ja neuerdings Filet sogar für Rouladen, ist aber Quatsch und eine veritable Verschwendung.

Weiterhin besorgen Sie sich 200 Gramm Parmesan am Stück, 150 Gramm Parmaschinken, dünn aufgeschnitten, 1-2 Zwiebeln oder Schalotten, 3-4 Knoblauchzehen, je ein Bund Salbei, Oregano und Basilikum, 2 Bund glatte Petersilie, eine Zitrone, einen Becher Crème fraîche, 1 Viertelliter Rotwein, 1 Viertelliter Gemüsebrühe. Dijon-Senf, Olivenöl, 1 große Dose (Doppeldose) Tomatenmark, 1 Lorbeerblatt, schwarzen Pfeffer und Salz haben Sie ja wohl im Hause.

Rouladen-Zutaten

Und das brauchen wir auch noch alles

Beginnen Sie mit den Kräutern, die Sie grob von den Stielen befreien (einfach mit dem Messer unterm Blätterbüschel abschneiden) und ordentlich waschen. Vom Salbei brauchen Sie nur ca. ein Drittel eines marktgängigen Sträußchens, so um die 6, 7, 8 Blätter. Haben Sie die Kräuter gewaschen, trocknen Sie sie in einer Salatschleuder oder auf einem sauberen Geschirrhandtuch, weil wir keine Wasserplempe in der nun mehr anzurührenden Kräuterfüllung haben möchten.

Viele Kräuter kommen in diese Rouladen

Salatschleuder: Die Kräuter schön trocknen!

Wir nehmen uns zunächst die Zwiebeln und den Knoblauch vor, welche wir fix enthäuten und in grobe Viertel teilen, die wir dann kurz beiseite stellen. Jetzt kommt die Küchenmaschine zum Einsatz: zuerst wird der Parmesan gehäckselt, den wir vorher in kleinere Stücke geschnitten haben, da uns sonst das Häckselmesser aus der Maschine hupft. Ist der Parmesan fein gehäckselt (so in der Konsistenz, wie Sie ihn normaler Weise über Ihre Pasta streuen), geben wir ihn in einen Schüssel und stellen ihn ebenfalls beiseite. In den Food-Prozessor werfen wir jetzt Zwiebeln, Knoblauch und Kräuter, die wir von der Maschine schön fein hacken lassen. Anschließend wechseln wir das Hackmesser gegen den Rührer aus und geben den Parmesan hinzu. Die Pesto wird nun ordentlich durchgemischt, dabei geben wir Olivenöl hinzu, bis das Ganze eine geschmeidige, nicht bröselige, Paste ist. Wenn Sie keine Küchenmaschine haben, müssen Sie die Pesto eben in Handarbeit erarbeiten, das dauert ein bisschen länger, geht aber problemlos.

Erstmal den Parmesan fein raspeln

Dann schön die Kräuter, Zwiebeln und Knoblauch häckseln

Pesto mixen: Parmesan und Kräutermischung mit viel Olivenöl geschmeidig rühren

Unser Pesto geben wir nun in einen Schüssel und rühren einen üppig bemessenen Esslöffel Dijon-Senf darunter. Nun beiseite stellen.

Vom guten Dijon-Senf ein grosses Löffelchen

Unsere Rouladenfüllung ist schon mal fertig

Jetzt kommen wir zu den Rouladen, welche wir kalt abspülen, mit Küchenpapier abtupfen und auf einer großen Platte oder mehreren Tellern auslegen, wo wir sie mit reichlich Zitronensaft beträufeln und aus der Mühle pfeffern und salzen. Der Zitronensaft macht das Fleisch mürbe, wir nehmen den Saft von ca. einer halben Zitrone. Die Rouladen sollten jetzt ein bisschen herumliegen, damit der Saft wirkt.

Rinder-Rouladen, wie sie sein sollen

Rouladen mit Zitrone beträufeln, pfeffern und salzen

In dieser Zeit kochen wir uns einen Viertelliter Gemüsebrühe, wobei wir auf fertige zuückgreifen, weil Bio-Gemüsebrühe in Ordnung geht. Auch ein Fläschchen Rotwein machen wir schon mal auf, trinken einen Schluck, um zu probieren, und messen dann einen Viertelliter ab, den wir uns bereitstellen. Wir nehmen zum Kochen einen ebenso guten Tropfen, wie wir ihn unseren Gästen servieren, aber das tun Sie ja sicher auch, oder? Einen großen Bratentopf haben wir schon auf den Herd gestellt und hier ein, zwei Esslöffel Butterschmalz hinein getan, in welchem wir gleich unsere Rouladen anbraten wollen. Butterschmalz, weil das schön heiss werden darf und im Gegensatz zu unserem guten Olivenöl dabei nicht kaputt geht.

Wir nehmen Butterschmalz zum Anbraten

Rouladen wickeln: So, jetzt kommt noch ein kleiner Akt, bei dem Sie nicht die Nerven verlieren dürfen. Wir bestreichen unsere Rouladen (nach dem wir sie aus dem Zitronensaftbad auf einen frischen Teller gelegt haben) mit REICHLICH Pesto und belegen sie anschließend mit Parmaschinken. Dann wird vorsichtig gerollt, so dass nach Möglichkeit nicht gleich die ganze Füllung wieder herausquillt. Not easy, aber nicht stressen lassen. Semi-perfekt reicht aus. Nun die Roulade vorsichtig fixieren, wofür wir kleine Holzspiesse verwenden. Sie können das auch mit einem Zwirnsfaden regeln, der ist aber (nach unserer Erfahrung) später nur schwer zu entfernen. Alles gewickelt bekommen? Dann wird gebraten.

Ordentlich Pesto auf die Roulade geben

Schön einstreichen

Parmaschinken bereitlegen

Parmaschinken auf der Kräuterfüllung auslegen

Rouladen gerollt und zugetackert

Lassen Sie das Butterschmalz so heiss werden, dass es zischt, wenn Sie einen Tropfen Wasser hineingeben. Binden Sie sich eine Schürze um oder ein ein Geschirrhandtuch und geben Sie das Lorbeerblatt sowie die Rouladen nacheinander ins heisse Fett. Das spritzt! Jetzt braten Sie die Dinger von allen Seiten braun an. Achtung: die Teile brennen leicht an, also dabei stehen bleiben, bis der Job getan ist. Sind die Rouladen angebräunt, löschen Sie das Fleisch mit dem Viertel Roten ab, rühren kurz mit einem Holzlöffel um und geben dann gleich den Viertelliter Brühe hinzu. Platte auf mittlere Temperatur herunterstellen, Deckel drauf und 10 Minuten köcheln lassen.

Keine Bange, wenn es spritzt: Rouladen anbraten

Jetzt bräunen sie schön...

Mit Ihrem guten Rotwein ablöschen, Brühe hinzu geben

Nach 10 Minuten geben Sie das Tomatenmark hinzu, rühren es vorsichtig unter, stellen die Platte auf die geringste Temperatur, geben den Deckel drauf und lassen die Rouladen in Ruhe. Alle halbe Stunde wenden Sie die Rouladen, mehr brauchen Sie nicht tun. Nach zwei Stunden sind sie fertig und wenn Sie alles richtig gemacht haben, so zart, dass Sie sie mit der Gabel zerteilen können.

Nach 10 Minuten Tomatenmark einrühren

Schön vor sich hin schmoren lassen

Fast fertig!

Nehmen Sie die Rouladen aus dem Topf und entfernen Sie die Holzspiesse. In die Sauce rühren Sie noch rasch den Becher Crème fraîche ein. Jetzt geben Sie die Rouladen ganz kurz wieder in die Sauce, wälzen sie dort einmal herum und tatata: raus auf die Teller und mit viel Sauce servieren.

Der Gatte kann die Spiesse direkt im Bratentopf entfernen, lassen Sie das lieber sein!

Crème fraîche hinein rühren!

Wir haben diese Rouladen diesmal nur mit frischem Baguette serviert, da wir eine Pasta als Vorspeise gereicht haben. Als Beilage passen ansonsten saugfähige Nudeln (frische Tagliatelle zum Beispiel) oder auch Kartoffeln – einfach ausprobieren, was Ihnen am besten schmeckt. Trinken Sie dazu einen kräftigen Rotwein!

Ja, ja, keine Fünf-Sterne-Deko, aber viel Sauce!



5 Kommentare zu “Rouladen italienisch – Involtini Italiana”

  1. Füxin sagte am 22.10.201216:04: (Kommentar-Link )

    Danke, dass Google bei der Suche nach “Rindfleischroulade Parmesan Salbei Rezept” einen solchen Schatz aus dem Informationsmeer hebt – danke vor allem, dass ein solcher Schatz dem Meer anvertraut wurde!

    Appetitlich entzückte Grüße von der Füxin aus Textgründen
    (auf dem Weg in die Küche, zu den 2 Biorouladen
    am Ende ihres Haltbarkeitsdatums…)

  2. Anette Keiser sagte am 22.10.201216:33: (Kommentar-Link )

    Welche Freude und liebsten Dank für diesen reizenden Post:-) Ran an die Bio-Rouladen, auf gehts!!!

  3. Silke sagte am 13.01.201310:35: (Kommentar-Link )

    Gestern Abend haben wir (mein Freund und meine jüngste Tochter – sie ist 10 und will unbedingt mal Köchin werden…) Euer Rezept nachgekocht.
    Das Ergebnis war so so WUNDERBAR lecker. Aber es hat auch viel Spaß gemacht, weil es wirklich nett geschrieben ist (wir sind auch nicht verzweifelt beim Zusammenrollen ;-)) und wirklich leicht zu verstehen.
    Danke dafür!
    Grüße aus Frankfurt
    Silke

  4. Anette Keiser sagte am 15.01.201318:21: (Kommentar-Link )

    Wie schön und was für ein entzückend reizender Kommentar:-) Ja, das Mädel soll unbedingt Köchin werden, es gibt viel zu wenige Profi-Frauen an den Herden, die es wissen wollen! Liebe Grüße und weiterkochen;-)

  5. restaurant wiesbaden sagte am 10.08.201306:06: (Kommentar-Link )

    yum… ich glaube ich weiß schon, was es morgen zum mittagessen gibt. Danke!

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