Mascaron: Dinner in acht Gängen

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Das vergangene Wochenende haben der beste Gatte und ich in Venedig verbracht, unser erster Ausflug in den Frühling, der sich dort von seiner besten Seite zeigte. Wie sich das gehört. Noch am Abend des ersten Tages luden freundliche Freunde zu einem äußerst opulenten Geburtstagsdinner, das wir Ihnen in all seiner Üppigkeit nicht vorenthalten möchten. Acht Gänge essen wir nur selten, aber wenn sie dann so schön daherkommen, reißen wir uns zusammen und hauen rein.

Unser Dinner fand im Mascaron statt, einem gehobeneren Etablissement venezianischer Kochkunst ganz in der Nähe von der Piazza San Marco in der Calle Santa Maria Formosa. Das Mascaron ist ein nettes Lokal, was heißt: meistens ausgebucht bis zum Anschlag, also reservieren, wenn Sie da rein wollen, wobei das manchmal auch nicht klappt, wenn der geschäftstüchtige Wirt einer Gruppe von 10 Japanern den Vortritt und Ihren Tisch gleich mit gibt (auch das ist die reine Wahrheit, den der Venezianer „an sich“ ist ein cleverer Händler, der sich auch nicht allzu sehr zu genieren braucht, weil er die meisten Kunden nur einmal sieht).

Anyway, wir haben gut und reichlich gegegessen, was wir Ihnen hier kurz in Bildern schildern.

Gang 1: eine Kelle Pasta e Fagioli (Rezept gibt’s auch bei uns) plus Pesto und einem großen Löffel Baccalà (typisch venezianisches Stockfisch-Mus, im Mascaron sehr leicht zubereitet, ohne Majo)

Pasta e Fagioli & Baccala

Gang 2: keine Ahnung, wie das auf Italienisch heißt, es handelte sich jedoch um ein Stückchen Matjes an Birne, das passt genauso gut wie unser Apfel-Matjes, aber pfiffiger! Der Spaß versteckt sich unter dem knusprigen und gut geölten Brot.

Matjes mit Birne

Gang 3: frisch aus dem Meer kamen sehr „nature“ Scampi und diese 2 ein wenig gruselig ausschauenden, aber ebenfalls typisch venezianischen, Meeresfrüchte (eine Krebsart) plus überbackene Miesmuschel und ein Spargel. Pfeffer und Salz haben wir aber nicht gebraucht. Das Ganze natürlich in Öl, Öl, Öl. Gut, wenn Sie ordentlich Wein trinken.

Scampi & co. kg

Gang 4: Roher Tunfisch an bayrischem Löwensenf, extra scharf (Gag des Hauses, da unser Gastgeber dem Wirt diesen Senf gerne mitbringt, weil sie sowas in Italien nicht haben, aber schätzen; der Wirt bezeichnete uns die Senfbeigabe als Wasabi-Ersatz, es schmeckte übrigens ganz vorzüglich zum Tunfisch in – Sie ahnen es bereits – Öl.) Wir waren am Rande der Kapazität, aber noch längst nicht am Ende.

Roher Tonno mit Löwensenf

Gang 5: zur Abwechslung etwas Warmes, nämlich Penne mit Krebsfleisch, leicht säuerlich mit Kapern und Tomaten. Gut.

Penne mit Krebsfleisch

Gang 6: Rombo, oder auf gut deutsch Steinbutt, das „Hauptgericht“, mit Kartoffeln und Tomaten, sehr einfach und „nature“, plus Kapern und Öl, wieder leicht säuerlich und insofern nicht absolut anders, aber durchaus in Ordnung. Salz und Pfeffer hatten ihre Berechtigung, wie überhaupt alles sehr dezent gesalzen war, aber das ist ja heute modern.

Steinbutt nach Art des einfachen Hauses

Gang 7: Fegato alla Veneziana mit Polenta, das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen und wurde als einzigem dem besten Gatten serviert, der seine Teller alle brav aufgegessen hatte und dem man etwas besonders Gutes tun wollte. Er ißt aber partout keine Leber. Insofern wurde das Gericht unter den anderen aufgeteilt, weil man es doch nicht dem ebenfalls anwesenden Hund des Gastgebers geben konnte, der unter der Bank auf Leckereien, die nicht kamen, wartete.

Fegato alla Veneziana

Gang 8: zum Abschluß einen Salat, so sind sie im Mascaron, diese Venezianer. Dieser frische, leckere, aber absolut nicht mehr hinein passende Salat kam in einem Löwensenf-Dressing, das so manch anderer Salatkreation, die wir in Venedig schon serviert bekamen, den Rang abgelaufen hat.

Salat!

 

Natürlich gab es noch die üblichen Plätzchen mit Vin Santo und wer weiß wie viele Flaschen Wein aus den verschiedensten Güteklassen, worüber wir im Laufe des Gelages den Überblick verloren haben. Es war eine rauschende Ballnacht, kulinarisch gesehen. Auf alle Fälle reichlich;-)

Wir bedanken uns auf diesem Wege nochmals bei unserem großzügigen Gastgeber und seiner reizenden Gattin!

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