Bretagne! Druiden, weite Strände, Quiberon? Äh bieng.

So. Wir waren in der Bretagne. Und wie wir so sind, hatten wir (wie üblich, so richtig abgearbeitet) uns GANZ DOLLE DINGE ausgemalt  in unserem diesjährigen Entdeckerurlaub, der natürlich von A bis Z mit den allerliebsten Locations durchgeplant war. Doch erstens kommt es anders, und zweitens sind wir nach vier Tagen geflüchtet.

Die Bretagne …. geheimnisvoll und doch ein bisschen „Disney“-Land

Was nun nicht an der Bretagne „an sich“ lag, weil sie wirklich sehr, sehr schön ist und die Menschen ganz entzückend. Auch über das Essen (wenn man danach suchen tut) kann man nicht klagen. Aber, aber…

Unser Trip begann mit dem Flug nach dem schon bekannten Nantes, wo wir nach einer Nacht in dem schon bekannten Novotel (keine WC-Experimente diesmal) und einem vorhergehenden Abendessen bei einem äußerst geschäftstüchtigen Libanesen (….dass Kleinigkeiten auf einmal an die 100 Euro machen…) mit dem Leihwagen am nächsten Morgen Richtung Quimper starteten.

Auf dem Weg dorthin kurze Station in Auray, ganz reizendes kleines Städtchen. Wenn Sie in die Bretagne fahren müssen: unbedingt besuchen! Hat einen netten und authentischen Markt (jajajaja, diese Touristen immer, aber wir wollen halt nicht von unsresgleichen umzingelt sein, schon gar nicht im Urlaub.)

Bestes Wetter! An die 30 Grad. Perfekt und auch gleich eine schöne Location, das handausgesuchte Tregont Mab, ein herrlich altes Landhaus inmitten eines Riesenparks, in dem uns Madame Mai mit frischem Zitronenwasser auf der Terrasse willkommen hieß. (Wein hat sie keinen, weil keine Lizenz, aber das macht nix, weil den kannst du dir ja kaufen, wenn ein Laden auf hat – Wanderer gib Obacht: am Montag sind dort auch in den größeren Städten – sprich Quimper – alle Läden geschlossen, was unsere Shopping-Tour zum Abendessen und Trinken nicht ganz einfach gestaltete, aber wir sind ja findig.)

Anfahrt Tregont Mab – idyllisch, aber nicht weit von Quimper
Tregont Mab – wunderschönes Haus, sehr nette Gastgeberin
Frühstückstisch in Tregont Mab – Madame servierte auch selbstgebackenen Kuchen

Brotzeit im Garten, herrlich. Ab dem nächsten Tag wurde es dann deutlich kühler. Wir waren auf Nordseeklima gefasst und entsprechend ausgerüstet – also wohlgemut auf alles, was da kommen kann.

„Unser“ Park: da willst du draußen sitzen

Die nächsten drei Tage tourten wir durchs Gelände. Kreuz und quer durch Wald und Wiesen – kein Mensch im Garten, kein Mensch auf der Straße, auch keine durchquerenden Druiden oder irgendwelche Schilder, die uns auf geheimnisvolle Orte hinwiesen. Immer wieder an Meer und Strand vorbei, kleine Orte am Wasser, relativ voll von sportlichen Touristen in Jogger und Windjacke, die die dortigen Fast-Food-Restaurants füllten. Nun ist ja Fast Food in Frankreich nochmal was anderes als hierzulande – es fiel aber schon ins Auge, wie viele dieser Burger & Pizza Etablissements dort die Landschaft „verzieren“. Natürlich gibt’s auch Creperien, jede Menge nette Cafés mit Unmengen unglaublich gutem Kuchen, aber wo zefix war der Fisch?

Strände ohne Ende – relativ leer… und keine Fischkneipe weit und breit…

Wir (und Google Maps) sind ja nicht blöd. Der beste Gatte identifizierte zwei exzellente Futterplätze, die wir zu Mittag besuchten.

Im Bistro chez Hubert in Fouesnant erfreuten wir uns an einem ganz vorzüglichen Lunch, und das bei schönster Sonne (wenn auch frisch).

Bistrot chez Hubert – das können wir guten Gewissens empfehlen

In froher Reihenfolge Vorspeise, Hauptgericht, Dessert. So muss es sein.

Vorspeisen

Kleiner Scampi asiatisch im chez Hubert für den Gatten
Der Spargel für die Frau Gattin war ebenfalls fein

Hauptspeisen

Fisch! Und so ein schönes Gemüse! Und die Sauce!
Willst du auch: die Rotzungen des Gatten

Desserts

Böses Karamellen-Törtchen
Oben ein dunkles Schoko-Schälchen, unten weiße Schoki mit Sahne an Alibi-Obst ;-)

Der zweite Tipp: Bistrot de Rosbras  in Riec-sur-Belon (die Bretonen haben es mit den Zs, deshalb heißt das gute Stück intern Roz Braz. Ist so.

Roz Baz! Top!

Hier kochen (oder kochten zumindest an diesem Tag) zwei äußerst talentierte Frauen. Wir fanden gerade noch ein Plätzlein im Lokal – draußen war es dann doch definitiv zu kalt für den ausführlichen Mittags-Gig. Das Roz Braz ist ein Goldstück! Was hier auf den Tisch kam, hat uns überrascht und sehr, sehr froh gestimmt.

Vorspeisen

Unglaublich gut: Ceviche vom Kabeljau
Eine Art Baccalà – also Stockfisch-Mus, ebenfalls sehr fein

Hauptspeisen

Schöner Kabeljau an Auberginen
Unerhört hauchdünne Ravioli gefüllt mit einer Garnele in einem Saucen-Schäumlein wie es nur die Franzosen hinkriegen

 

Dessert: Da ging nur noch ein Mini Tarte Tatin rein, das wir uns draußen teilten, wo zwar der Wind pfiff, aber die Sonne rauskam.

Diese kleine Tarte passte grad noch so rein

Zwischendrin waren wir noch in Pont Aven, was so ein Künstlerdorf ist und deshalb rasant besucht. Was soll ich sagen: die Künstler waren in ihren Ateliers (=Shops), weil es ihnen vor der Tür zu kalt war. Es gab nur Cafés und Kuchen (aber gut). Und ab 11 Uhr war Stau, weil dann die anderen Touristen einfallen, um Kunst & Kultur zu tanken. Da wir im Urlaub kein Fernsehen schauen und mit den Vöglein zu Bette gehen, waren wir Gottseidank schon um 10 Uhr vor Ort.  Brauchst eine halbe Stunde, dann hast du alles gesehen – zumindest wir, die wir natürlich nicht mit den Geheimnissen des Örtchens vertraut sind.

Pont Aven – nice to have…
aber der Kuchen!! Hier von der Pistazie

Am vierten Tage dann doch äußerst frisch. Wir drückten uns in Creperien und Cafés herum (mittlerweile satte zwei Kilo schwerer), versuchten die Pfunde am zugigen Strand abzulaufen, wo aber keine Strandkneipen zur Einkehr winkten. Irgendwie ein bisschen wie unser Toulouse-Urlaub vor zwei Jahren…

Bretagne: ein Crepe geht immer

Dennoch: wir zwangen uns zum Abendessen in den Garten – wer den ganzen Tag in den Monitor guckt oder den Wischmop (Tablet, Smartphone) streichelt, der muss in den Ferien raus in die frische Luft. Kaschmir-Pulli, Wollschal, drei Unterzieher, dicke Socken – es geht ja prinzipiell alles. In unserem Fall allerdings begrenzt.

Bretonisches Ambiente: „Alles so leer hier. Alles sieht gleich aus.“ „Nein, nein, das kannst du doch jetzt auch nicht sagen. “ „Doch.“

PLAN B: Nach mehreren Gläsern guten Rotwein von der nahen Loire blickten wir uns ins Wind bedingt tränende Auge und fassten den Entschluss, der Bretagne die Rücklichter zu zeigen, aber presto. Rotweingetränkt schwankten wir in den antiken Salon unseres Anwesens und holten die digitalen Einsatzkräfte raus.

Wettervorhersage auf bretonisch.

Anruf in unserem Lieblings-B&B in Cagnes sur Mer: ja, Marie-Paule hat ein Zimmer frei – nicht sofort, aber für eine ganze Woche. Gut. Der Gatte bucht den Flug von Nantes nach Nizza – mit Easyjet kein Problem und auch noch vom Preis her machbar. Die Gattin schreibt freundliche Absagen an alle anderen Unterkünfte, die wir reserviert hatten (immerhin wollten wir bis nach Roscoff hoch, was angesichts des Wetters, nun ja..). Der Gatte  schiesst noch einen Rückflug von Nizza nach München, ein Überbrückungshotel in Cagnes und eine Übernachtung im uns schon sattsam vertrauten Novotel, weil der Nizza-Flug erst am nächsten Tag fliegt. Dann sinken wir erschöpft und aufgeregt gleichzeitig in die Betten.

Am nächsten Tag wieder nach Nantes. Unterwegs – Wetter sonnig  – kommen wir am Schild nach Quiberon vorbei. Der Gatte spricht: „wo wir schonmal da sind…“, die Gattin flötet: „na denn..“ und wir biegen ab. Was Romy Schneider konnte, können wir schon lange. Schmale Straße, eine Straße. Landzunge zwischen den brausenden Meeren. Alles sehr hübsch, aber Stau. Die Franzosen hatten auch langes Wochenende und rückten mit Kindern, Kegeln, Wohnmobilen, Surfboards etc etc im Schritttempo dem Ziel entgegen – jede Menge Touristen darunter, und es ist ja gerade mal Mai… Wie sieht das wohl im Hochsommer aus?

Quiberon gestrichen. Hurra, ein Strandlokal!!

Wir hatten keine Geduld. Zumal links an der Straße eine Strandkneipe (wirklich!) stand. Kurzum: gewendet und Mittagessen. Ein Highlight: Garnelen frisch und in rauen Mengen, ein Fisch & Chips von Kabeljau mit dem Estragon-Sößlein – was willst du mehr?

So muss das sein: Garnelen in Hülle & Fülle
Quiberon Küste – ja, sehr schön.

Anschließend in Ruhe nach Nantes, den Leihwagen abgegeben (falls Sie denken, Europcar heißt mit dem Mietwagen einfach fahren, wohin Sie wollen: nix da! Muss immer am jeweiligen Anmietort abgegeben werden. Wir sind da nicht so versiert und waren erstaunt.)

Am nächsten Tag: ab in den Süden. Easyjet wirklich easy, pünktlich weg, pünktlich an – Nizza, strahlende Sonne. Warm. Flughafen voll – Filmfest in Cannes, hatten wir gar nicht dran gedacht – war uns aber wurscht. Ab ins Taxi, ab ins Hotel. Raus ans Meer.

Mittagessen am Strand.

Fazit: die Bretagne ist wunderschön, aber sichtlich sind wir ungeeignet für sie. Entschuldigung!

Über Nizza und Cagnes folgt ein Extrabericht.

 

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