Für euch Menschen im Lande: Gennaros Arrabbiata

Die Welt hat „Zimt“. (So pflegt der freundliche Nachbar und Trauzeuge seltsame Unbefindlichkeiten zu nennen). Wir wahrscheinlich auch, aber nix Genaues weiß man nicht. Der Regierungskindergarten (wobei „Kindergarten“ schon eine Beleidigung für denselben ist) murkst. Und unser Land tuschelt, schaut aber keine Nachrichten mehr (so berichten uns enge Freunde, die es nicht mehr aushalten). Jetzt auch noch Italien! Das nehmen wir persönlich.

Also machen wir was für euch, „die Menschen im Lande“, die im Politikersprech ja so eine amorphe Masse sind, mit der man lieber nicht auf Augenhöhe kommuniziert. Wir aber schon: Hallo, ihr lieben Leute, die ihr alle denkt, sprecht, lebt, liebt und jeden Tag tapfer das Schicksal am Wickel packt – hier und im Rest der Welt und gerade besonders in Italia.

Wir kochen innerlich – genau wie ihr! Deshalb kochen wir euch eine Arrabbiata, die sich gewaschen hat. Scharf! Das tut gut und hält die Moral im Lot. Rezept ist nicht von uns, sondern vom großen und wunderbaren Gennaro Contaldo, Mentor von Jamie Oliver und – wie wir nach der aktuellen Folge „Kitchen Impossible“ vom Mälzer Tim erfahren haben – auch seiner. Der Mälzer ist ja quasi der Einzige, der im Fernsehen noch richtig böse fluchen darf. Nix politisch korrekt, deshalb sehr erheiternd. Hätten wir gerne mehr von.

Zurück zu Gennaro: Der Mann ist über 70 und kocht (obwohl er in England lebt) natürlich italienisch. Leidenschaftlich, begeisternd, humorvoll, und soooo GUT.

Für seine l’Arrabbiata brauchen wir eine Dose ganze, geschälte Tomaten, 4-6 grob geschnittene Knoblauchzehen, 4-6 frische Pepperoni (wir haben Thai-Chilis genommen, da keine anderen im Hause), reichlich gutes Olivenöl, zwei Sardellen, die Zesten von einer Bio-Zitrone und einen guten Schuss Wodka (wir nahmen Gin, der Wodka ist gerade aus). Herr Gennaro gibt zum Schluss noch frische Petersilie hinzu, darauf haben wir aus Mangel an der selbigen verzichtet. Macht aber nichts. Die Menge reicht für 4 dezente Vorspeisen oder 2 anständige Portionen zum Mittagessen.

Zuerst geben wir den geschälten und gestifteten Knoblauch mitsamt den fein geschnittenen Chilis in auf kleiner Flamme erhitztes Olivenöl und lassen das Ganze langsam auf weiterhin niedriger Temperatur vor sich hin köcheln.

Reichlich Knoblauch und scharf: das geht gut los!
Schau an: eine Bio-Zitrone – und Schnaps (desinfiziert :-) ) und Sardellen – brauchen wir alles.

Derweil waschen wir unsere Zitrone von oben heiß ab und reiben die Zesten (sprich: die Schale, nicht das Weiße!) mit einem Zestenschneider oder einer gröberen Reibe ab und geben die Zesten dann in die Pfanne mit dem Knoblauch-Chili-Gebräu. Umrühren. Immer wieder umrühren.

Hier unsere Zesten: das riecht wunderherrlich :-)

Parallel stellen wir uns schon mal ein Nudelwasser auf. Wir nahmen (wie Gennaro) Spaghetti, die um die 8 Minuten brauchen, also erst wenn der Sugo soweit ist, ins Wasser kommen).

Ist der Knoblauch weich, kommt ein kräftiger Schuss Wodka (oder wie bei uns Gin) in die Pfanne und wird kurz eingekocht. Das riecht göttlich! Dann geben wir die Dosentomaten hinzu, verrühren das Ganze und lassen die Tomaten ein wenig zergehen, bis sie sich mit der Gabel zerdrücken lassen. Umrühren. Umrühren.

Dosentomaten sind in der Regel aromatischer als ihre frischen Geschwister. Langsam köcheln bitte.

Zum Schluss kommen noch zwei Sardellen hinzu, die im Endeffekt keinesfalls fischeln sondern – nachdem sie schön „geschmolzen“ sind, für ein insgesamt sehr feines Aroma sorgen. Schmecken Sie das Sugo mal ab und geben Sie nach Gusto vielleicht noch ein bisserl Salz dazu. Keine Panik, wenn es Ihnen zu scharf vorkommt! Diese Arrabbiata ist – wenn sie dann fertig ist – gar nicht so rabiat. Wir haben das Sugo um die 30-40 Minuten auf wirklich niedriger Temperatur geköchelt. Das ist wichtig, sonst wird das nix.

Da schwimmen Sardellen! Kannst du mit der Gabel zerdrücken, zerfällt aber auch so, wenn es gute zarte Sardellen sind.

Hier heiß und herrlich auf dem Teller! Wer mag, darf frischen Parmesan drüberstreuen – muss aber nicht sein, weil auch „pur“ eine reine Freude.

Da isses! Aber ruckzuck weg, weil soooo gut!

Dank an Gennaro Contaldo und an Italien insgesamt und an euch alle. Durchhalten! (Grad läutet’s an der Tür: Weinlieferung ist da! Hilft!)

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